„Gehen wir heute mal exotisch essen?“ „Immer wieder gern!“ Die Zahl von Restaurants, die Gerichte aus anderen Kontinenten anbieten, nimmt in Neuhausen ständig zu. Hier ein neuer Inder, dort der Äthiopier. Nicht zu vergessen die Thailänder, die Japaner und die Vietnamesen. Solche Lokale bringen Abwechslung auf den Speiseplan. Zudem macht es Spaß, immer wieder etwas Neues auszuprobieren. Gerichte mit Ingwer, Kokosmilch, Erbsen, Bohnen, frischen Kräutern und viel Gemüse sind nicht nur gesund, sondern auch für Vegetarier ideal. Wenn sie dann auch noch dazu beitragen, Erinnerungen an die letzte große Reise aufzufrischen: umso besser. In vielen Restaurants werden die Erwartungen erfüllt – und in einigen werden sie übertroffen.

Das An An gehört in die zweite Kategorie: Das stilvoll eingerichtete vietnamesische Lokal liegt, etwas versteckt, in der Elvirastraße – und überzeugt verwöhnte Gaumen sofort. Woran das wohl liegen mag? Inhaberin Thi Thuy Nguyen verriet uns leider keine Rezepte, aber einige ihrer Küchengeheimnisse.

Man merkt es bereits an den krossen Wan Tan: In diesen kleinen Teigtaschen stecken feine Zutaten und ein Portion Raffinesse. Sie auf den Teller zu bekommen ist eine von drei erfreulichen Optionen beim Mittagsmenü, zum dem auch die 24-Stunden-Suppe Pho, das vietnamesische Nationalgericht, und, wen überrascht es, Frühlingrollen gehören. Wir trinken dazu eine hausgemachte Limonade mit frischen Ingwer, Minze und Limette, und denken „oh wie lecker“, bevor wir die ersten Klassiker testen. Alles frisch, alles fein, „aber um zu verstehen, wie wir kochen, müssen Sie unbedingt abends kommen“, lacht Thi Thuy Nguyen, als wir ihr Komplimente machen. Warum die Saté-Sauce so köstlich war, wollen wir trotzdem jetzt wissen, und sie erzählt uns stolz, dass alle Saucen nach Geheimrezepten zubereitet sind, die wie ein Schatz gehütet werden. Was im An An auf den Tisch kommt, ist weder dem Zufall noch der Tagesform eines Kochs überlassen, sondern einem kritischen Oberhaupt, der Mama, die das Kochen professionell gelernt hat und bis zum guten Schneiden der Ware alles kritisch überwacht. Als Thi Thuy Nguyen und ihre gesamte Familie beschlossen hatten, dieses Restaurant in der Elvirastraße zu eröffnen, haben sie sich intensiv von einer in Vietnam höchst angesehenen Kochschule beraten lassen. Sie sammelten traditionelle Rezepte aus allen Regionen des Landes – auf Basis authentischer, frischer Zutaten und besonderer Zubereitungsarten. Diese Geheimnisse werden nun von der Mutter gehütet.

Perfektion scheint in der Familie zu liegen. Das zeigt allein die Einrichtung des Restaurants. Vier Monate lang haben sie das ehemalige Elvira, das eigentlich schon neu renoviert, aber der Familie Nguyen zu einfach war, nach eigenen Ideen umgebaut und eingerichtet. Das Lokal hat einen eleganten Stil erhalten, was sich beispielsweise an den antiken Holzschnitzereien am Eingang und zahlreichen gestalterischen Varianten des tiefsinnigen Logos zeigt. Die Worte „An An“ stehen für das Glücklichsein und großes Wohlbefinden – und um das zu erzielen, sind außer feinen Speisen auch eine gepflegte Bar, schön gedeckte Tische mit ansprechendem Geschirr, ausgewählte Hintergrundmusik und einige blühende Orchideen unverzichtbar. „Nein, in Hanoi oder in Saigon würden sie eine solche Einrichtung nicht finden“, antwortet Thi Thuy Nguyen auf unsere Frage, aber auch Vietnamesen finden das Ambiente hier sehr schön. Wie die einheimische Nachbarschaft haben auch sie das Restaurant, das erst Ende letzten Jahres eröffnet wurde, gleich für sich entdeckt. „Wir hatten das richtige Gespür. Uns wurde dieser Standort empfohlen, und schon jetzt sind wir sehr glücklich, hierhin gekommen zu sein. Wir haben noch keine Werbung gemacht, aber das An An ist bereits sehr gut besucht.“

Abends kommen die traditionellen Speisen auf den Tisch. Außer Pho, der Hanoi-Suppe, wird auch eine Saigon-Suppe angeboten, auch eine Bun Bo Hue, die Rindersuppe mit Zitronengras, diverse süß-scharfe Fisch und Tofu-Suppen, unter anderem mit Tamarinde und Ananas zubereitet. Eine außergewöhnliche Vorspeise ist auch das Bo La Lot: in Betelblätter eingewickeltes Rindfleisch mit Fischsauce. Einige Salate sind exotisch-fruchtig, etwa die Bananenblüten mit Garnelen, chinesischer Melisse und Schwarznesseln. Schon das Lesen der Karte macht Appetit auf immer mehr. Im Hauptgang haben wir eine mit Zitronengras marinierte Dorade mit Wasserspinat und Kräutern mit hausgemachter Ingwer-Fischsauce sowie Gebratene Glasnudeln mit Krebsfleisch, Morcheln Pilzen und Gemüse gewählt. Beim übernächsten Besuch werden wir eine Spezialität des Hauses verkosten: Banh Xeo, die vietnamesischen Pfannkuchen aus Reismehl mit leckeren Zutaten wie Garnelen, Sprossen und Speck. Und anschließend als Dessert: die Kokosbällchen mit Mango.

Kein Besucher muss befürchten, dass die authentische Küche seine Geschmacksnerven überstrapaziert. Thi Thuy Nhuyen lebt seit ihrer Kindheit in Deutschland, der Vater hatte einst in Halle gearbeitet. Über Bayreuth kam sie 2009 nach München. Entsprechend sicher wissen sie einzuschätzen, wie weit Restaurantbesucher hierzulande gehen. Thi Thuy Nhuyen fühlt sich sowieso schon zu 60 Prozent deutsch, aber gerade, was das Essen betrifft, ist sie eindeutig Vietnamesin geblieben.

www.anan-restaurant.de

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