Wilde Gänse … ein Hauch von Fernweh …

by · Dezember 3, 2013


Die Landschaft färbt sich in den Strahlen der Herbstsonne goldfarben. Hoch am Himmel ertönen helle Rufe und in klassischer V-Formation ziehen die Graugänse in ihre Winterquartiere. Teamwork ist angesagt, denn Graugänse sind keine eleganten Segler, sondern Arbeiter mit Muskelkraft. Geht dem Führungstier die Kraft aus, übernimmt eine andere Gans die Aufgabe. Windschattenfliegen ist angesagt.

Ideale Winterquartiere in Bayern sind die großen Seen wie der Starnberger See, der Ammersee oder der Chiemsee. Das heißt, wenn die Graugänse sich überhaupt noch auf den beschwerlichen Weg machen. Denn inzwischen fühlen Sie sich im Nymphenburger Park, dem Englischen Garten oder auf den künstlichen Seen des Olympiageländes so wohl, dass sie dort ganzjährig bleiben. In Münchens Parks und Grünzonen hat man aktuell rund 1.200 Graugänse gezählt.

Eine besondere Oase der Ruhe und Erholung ist der Nymphenburger Schlosspark. Am schönsten ist es hier am frühen Morgen, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Nebelreste durchdringen. Wer zu dieser Zeit bei einem frühen Spaziergang den neuen Tag heraufziehen lässt oder durch die frische Luft beim Laufen die Seele erfreut, erlebt die Natur von ihrer schönsten Seite.

In dem 180 Hektar großen Park trifft man zu dieser Jahreszeit aber nicht nur Spaziergänger und Jogger, sondern auch zahlreiche Tierarten, die die Ruhe ebenso zu schätzen wissen. Die große grüne Lunge mitten in Nymphenburg bietet tierischen Bewohnern mit ihrer reichen Flora ideale Lebensbedingungen. Rehe, Hasen und Marder kreuzen den Weg im frühen Morgengrauen – und die ersten Graugänse genießen das nasse Gras. Zusammen mit den Schwänen sind sie zahlenmäßig nicht die dominierende Spezies, aber dank ihrer majestätischen Erscheinung die auffälligste.

Die zahlreichen Graugänse fühlen sich in dem Park sogar so wohl, dass es scheint, als hätten sie das in ihnen angelegte Verhalten als Zugvogel vergessen. Statt wie es die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf in der „Wunderbaren Reise des Nils Holgersson“ eindringlich beschreibt in den Süden zu ziehen, residieren die sesshaft gewordenen Gänse ganzjährig in bayerischen Parks und Gewässern.

Für die Graugänse ist die weite, offene Landschaft mit den vielen Seen der perfekte Lebensraum. Die Nacht verbringen sie zumeist gut geschützt auf ruhigem Wasser, schlafend oder ruhend, mit dem Kopf nach hinten an die Oberflügel gelegt. In den nordischen Gefilden sind die Weideflächen oft bis zu zehn Kilometer von den Ruheplätzen entfernt. Im Nymphenburger Park sind es nur wenige Meter zum frischen Gras und zurück. Wer will da noch in die Ferne schweifen?

Die beeindruckenden Formationen der wilden Graugänse, die hoch am Himmel über das Land zogen und den nahenden Winter oder das kommende Frühjahr ankündigten, sind seltener geworden. Das Fernweh ist der Bequemlichkeit gewichen.

Fotos: Hans Palla

Wilde Gänse …

Die Graugans gehört zur Familie der Entenvögel. Sie zählt zu den häufigsten Wasservögeln und ist die zweitgrößte Gänseart in Europa.
Die Graugans ist heller als die anderen grauen Gänse. Der Hals wirkt relativ dick und durch die streifige Anordnung der Federn leicht längsgestreift. Die Vorderflügel sind auffällig hell und der Bauch hat mehr oder minder stark ausgeprägte schwarze Flecken. Der Schnabel ist relativ groß. Sie erreicht eine Länge von 75 bis 90 cm, eine Flügelspannweite von 147 bis 180 cm und ein Gewicht von 2 bis 4 kg. Graugänse können bis zu 17 Jahre alt werden.
Graugänse sind monogam und bleiben als Paar das ganze Jahr zusammen. Die Gans brütet, während der oft wehrhafte Ganter die Nestwache übernimmt.
Bekanntester Laut ist das auch von Hausgänsen bekannte „ga-ga-ga“, jedoch verfügt die sehr rufaktive Graugans über mehr als ein Dutzend verschiedener Lautäußerungen. Dabei gibt es individuelle Unterschiede. Einige Graugänse rufen immer in einer sehr hohen Kopfstimme, während andere eher geräuschhaft knarrende Laute von sich geben. Sie haben jedoch auch laut trompetende Rufe im Repertoire. Gelegentlich kommt es zu einem duettartigen Rufen zwischen zwei Individuen, wobei die Gänse dabei jeweils im Wechsel rufen.

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