Vive la Crêpe!

by · März 26, 2011

Paris, mon amour … was waren das noch für Zeiten, als Frankreich das Land unserer Träume war! Heute steht New York ganz oben auf der Skala hipper Städte. Ein Rendezvous heißt heute Date, ein Mannequin Model. Und wo, vor allem, ist die französische Küche geblieben? Quelle Tristesse! Sarkozy und Amélie, steht uns bei! … Ach, wir hören gerade: Ihr habt uns Frankreichfreunden schon längst wieder auf die Sprünge geholfen, mit einer Crêperie in der Blutenburgstraße? Merci, chéries!Das kleine Café Bonjour bringt ein großes Sortiment einer nordfranzösischen Spezialität auf den Tisch: über 16 Sorten Crêpes, mehr als acht Sorten Galettes. Man muss lange suchen, um ein vergleichbares Angebot in München zu finden. Diese bretonischen Eierkuchen werden stets frisch zubereitet, und sie schmecken vorzüglich.

Die Galette ist ein Buchweizenpfannkuchen, eins der vermutlich ältesten Nahrungsmittel der Menschheit. Nach Frankreich kam die Buchweizenpflanze mit den Kreuzrittern. Auch wenn der Name es vermuten ließe: Sie ist kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs. Das macht den Buchweizen zum Segen für viele Allergiker, er ist glutenfrei. Die Bauern in der Bretagne schätzten den Buchweizen damals allerdings aus anderen Gründen. Er gedieh in nur vier Monaten, auch auf mageren Böden. Da er nicht zu Brot gebacken werden konnte, unterlag er weder Steuern noch Abgaben. Die Galette war allgegenwärtig, und die bretonischen Frauen waren stolz auf ihre vielfältigen Rezepte, die sie nur an Töchter und Enkelinnen weitergaben.

Die süße Schwester der Galette heißt Crêpe. Sie wird mit Weizenmehl gebacken und mit Zucker gesüßt. In Paris sei sie als Luxusartikel populär gewesen, sagen die Kochbücher, aber ihre Heimat war nach wie vor die Bretagne, wo die vielen Pfannekuchenspezialisten lebten. Von ihren Schiffsreisen brachten die Seeleute Rum, Orangenblütenwasser, Vanille und Zimt aus der Ferne mit, was zu immer wieder neuen Dessert-Variationen führte.

Auf der Karte des Café Bonjour finden sich Klassiker wie die Crêpe Suzette, die Crêpe Cas-tagne mit Maronencreme, Mandeln und Sahne sowie neue Kreationen wie Crêpe Mon Chérie mit Amarenakirschen und Kirschlikör. Persönliche Wünsche werden schnell und einfach erfüllt: Die Betreiber des Cafés freuen sich über jede gute Idee und entwickeln ihre Rezepte ständig weiter. Auch bei den Galettes sind der Phantasie nur wenig Grenzen gesetzt. Da gibt es den köstlichen Pfannkuchen mit Spinat, Ziegenkäse, Honig, Thymian und Champignons neben dem Klassiker mit Käse und Tomaten. Auf der Tageskarte finden sich immer wieder besondere Zutaten für Füllungen: Avocado, Shrimps, Zucchini und andere Köstlichkeiten mehr.

An heißen Tagen Eis
Das Café Bonjour ist auch ein Café Glacier: eine Eisdiele. Wie Crêpes und Galettes sind alle Eissorten hausgemacht – und entsprechend beliebt. Der Chef erzählt uns davon, dass im letzten Sommer, kurz nach der Eröffnung des Cafés, eine Schulklasse der Grundschule an der Blutenburg darüber abgestimmt habe, wo sie das Geld der Klassenkasse verfuttern solle. Mit einem klaren Votum für ihn sei es ausgegangen. Auch Nachbarn und Angestellte aus den umliegenden Unternehmen reihten sich in die bald langen Schlangen vor dem Café Bonjour ein. Ob es da ein Geheimnis gebe, wollten wir wissen, aber lachend erklärte uns der Küchenchef, keins zu haben. Gut, er nehme oft recht viel Obst, damit das Fruchteis – übrigens garantiert laktosefrei und immer aus reifen Früchten zubereitet – wirklich fruchtig schmecke. Im Zweifel etwas weniger Zucker. Die Vanilleschoten kratze er selbst aus in seinem Eislabor, und das Aroma sei deshalb so gut zu schmecken, weil er es in Milch aufkoche und dann gut ziehen lasse. Sahne sei übrigens nicht im Eis, auch wenn es sehr danach schmecke.

Vive la différence!
Das Bonjour ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Tagescafé. Es folgt keinem Zeitgeist, lässt Stress schnell vergessen. Kinder, Berufstätige, ältere Menschen: Alle sind willkommen. Kaminfeuer und Pfannkuchen wärmen im Winter, im Sommer kühlt das Eis. Reduktion auf das Wesentliche – reden und essen. Es lebe Frankreich!

Café Bonjour, Blutenburgstraße 90. Einfach mal reinschauen!

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