Wir brauen einen Kräutertrunk. Über Wirkungen und Nebenwirkungen grüner Drinks

by · September 24, 2014

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Ringelblume und Löwenzahn, Johanniskraut und Giersch: Rund um unsere städtischen Lebensräume gedeihen Kräuter wie eh und je. Es geht ihnen prächtig, trotz Monokultur und Straßenbau. Nur erkennen wir sie nicht mehr, weil wir das Hinschauen verlernt haben. Bei Beifuß und Waldmeister denken wir allenfalls an Gänsebraten und grünen Pudding, aber selten an Pflanzen in der Nachbarschaft. Wir kaufen Basilikum im Supermarkt, aber wissen nicht, dass man außer Pesto auch einen entzündungshemmenden Tee damit aufgießen kann. Schade eigentlich – zumal schon der Nymphenburger Park eine Fundgrube für Kräuterbotaniker ist!

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Sandra Krust packt das Kräuterthema anders an. Schon als Kind hat sie der Oma Löcher in den Bauch gefragt, um jede noch so kleine Pflanze im ländlichen Garten zu erforschen. Heute geht sie mit Schere und Glas in den eigenen Garten, wo 186 Heilpflanzen gedeihen. Und sie geht in den Wald, wo seltene Schätze wachsen. „Das Aroma eines von frischen Kräutern gemachten Tees ist unvergleichlich“, sagt sie uns, „der Geschmack ist mit keinem Beuteltee der Welt zu erreichen.“ Ja, denken wir uns, frische Pfefferminze, das könnte sein. Sandra Krust kann sich aber auch einen Gänseblümchentee vorstellen. Diese Pflanze ist gut fürs Gehirn – und schlecht zum Krebs. Wie alles, was wächst und Heilpflanze heißt, hat auch dieser zarte, anmutige Wiesenschmuck Wirkungen. Die Apotheke der Natur entwässert und entkrampft, sie entgiftet oder unterstützt gezielt einzelne Körperregionen. Wer zu viel von ihr nimmt, bekommt unerwünschte Wirkungen. Und bei manchen Pflanzen ist schon die Wirkung schlimmer als jede Nebenwirkung: Sandra Krust erzählt von den giftigen Angehörigen so mancher Art. Dass die Maiglöckchen nicht verträglich sind, wissen wir noch. Fingerhut, Fliegenpilz: alles gelernt. Aber dass Safran schon ab fünf Gramm tödlich ist? Und dass die Frauen der Korsen ihre römischen Feinde mit Fleischspießen aus Oleanderholz zuverlässig unter die Erde zu bringen wussten? Unsere Vorfahren hatten sehr genaue Kenntnisse über Dinge wie diese. Im Regelfall allerdings setzten sie ihr Wissen konstruktiv ein, zum Beispiel kochten sie mit Schafgarbe und Bärlauch, Wegerich und Brennnessel eine Gründonnerstagssuppe, die zur Entschlackung beitrug und damit einer modernen Frühjahrskur entsprach. „Für alles ist ein Kraut gewachsen“, erzählt uns die Kräuterspezialistin, die seit 1999 Heilpraktikerin ist und in der Volkartstraße 32 im „Ayurveda Natur & Heilen“ eine Gemeinschaftspraxis mit anderen spezialisierten Naturheilkundlern betreibt. Sie ist dort die „Kräutertante“, die Pflanzen so miteinander in Verbindung setzen kann, dass sie auch gegen moderne Leiden wie Burn-out und Mobbing helfen. Der eine braucht Inspiration und Ideen, der andere muss seinen ständig arbeitenden Kopf mal ein wenig zur Ruhe bringen. Kräuter haben das Potenzial, mürrische Menschen aufzumuntern und Einzelgänger sozialverträglicher einzustimmen. Aber wie gesagt: Es kommt auf die Dosis an. Dem „Asthmabesen“ (Damiana) beispielsweise wird außer seiner harmonisierenden zuweilen auch eine aphrodisierende Stimulation nachgesagt. Das hatte einst ein Ehemann aufmerksam gelesen – woraufhin er die Dosis seiner Frau unbemerkt aufs Vierfache erhöhte. Leider wusste er nicht, dass als Nebenwirkung Asthma auftreten kann, was dann tatsächlich geschah – und den Schwindel offenkundig machte.

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Der Tee ist ein vertrautes Medium, um pflanzliche Stoffe aufzunehmen. Sandra Krust kennt aber auch noch andere Wege. Wie die Zitrone ihren Geschmack für den Limoncello im Alkohol abgibt, so lassen sich auch die ätherischen Öle der Pflanzen über Alkohol lösen. So entstehen verdünnte Tinkturen und kräftige Verdauungsschnäpse für den Hausgebrauch. Man kann die Kraft der Pflanzen in kosmetische Produkte einbringen und auch in Öle. Dann werden die Wirkstoffe eben nicht über das Trinken, sondern über die Haut aufgenommen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte … Kräuter und Heilpflanzen finden sich überall. Wer sich zutraut, Maiglöckchen und Bärlauch zuverlässig zu unterscheiden, und analysieren kann, dass die Finger – was immer wieder vorkommt – nur deshalb nach Lauch riechen, weil das VOR-letzte Blatt den Geschmack abgegeben hat, ist auf einem guten Weg. Einfach ins Umland fahren und ein Baumwollsäckchen mitnehmen! Noch besser: Die Pflanze an Ort und Stelle zerkleinern und in Wasser oder Alkohol einlegen – das erspart der Pflanze Stress. Sandra Krust empfiehlt Besuche im botanischen Garten, weil sich dort die Pflanzenkenntnis anhand von kleinen Namenstafeln überprüfen lässt. Als Alternative kommt ein Besuch beim „D’ Original Bayrischen Kräuter- und Wurzel-Sepp“ nahe dem Viktualienmarkt in Frage. Und wer richtig tief in das Thema einsteigen will: Sandra Krust gibt ihr Wissen über Pflanzenheilkunde und altes in einer intensiven Kräuterausbildung weiter.

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Unter: Allgemein

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