Wege zur individuellen Wohnkultur

by · Juni 30, 2017

Schöner wohnen möchten wir alle gern. Im Idealfall haben wir großzügige Wohnräume und ein Budget, mit dem sich der ein oder andere Traum erfüllen lässt: ein neues Bad! Das schmucke Designersofa! „Wird aber nichts“, entgegnet die Wirklichkeit schon einmal gern, „du lebst in München, wo Wohnraum knapp und teuer ist. Freu dich einfach über deine Dreizimmerwohnung in Neuhausen oder das Dachappartement in Gern, staple deine Möbel hoch und lade nie mehr als zwei Freunde auf einmal ein.“ „Ja“, sagen wir demütig – und geben unseren Wunsch nach Nestbau auf. Braucht aber nicht jeder Mensch Raum für Kreativität? Raum für entspanntes Miteinander? Raum für den eigenen Stil?

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LocalLIFE hat Lore Wellemeyer, eine in Nymphenburg lebende Inneneinrichterin besucht. Diese inspiriert seit fast 20 Jahren Menschen, mehr aus den sie umgebenden Räumen – seien sie ein wenig klein, ausreichend groß oder wunderschön repräsentativ – herauszuholen. Möbel, Licht und Teppiche, aber auch Kunst und explizite Freiräume gehören zum reichhaltigen Ideenfundus der kreativen Expertin, aus dem sie, je nach Typ, ein cooles oder kuscheliges – stets aber ein höchst individuelles – Wohnambiente zaubert.

Für Einrichtungsberater gehört es zu den spannenden Aufgaben, komplett neue Welten für noch leere Räume zu entwerfen: Jetzt ist die Gelegenheit da, ein paar Mauern zu versetzen, neue Bodenbeläge zu planen, Wasser ins Spiel zu bringen oder den Einfall des Tageslichts zu optimieren. Lore Wellemeyer hat immer wieder aufregende, große Projekte betreut, bei denen aus dem Nichts wunderschöne Lebensräume entstanden. In Kapstadt beispielsweise war sie in die Gestaltung des Gästehauses eines Unternehmens gemeinsam mit jungen, wilden Architekten einbezogen. In Niederbayern wurde ein historischer Vierseithof in ein modernes, sympathisches Seminarzentrum verwandelt. „Ich habe aber auch Kunden, die einfach nur ein neues Sofa haben wollen“, erzählt sie uns, „und dann nicht wissen, wo sie ein tolles Exemplar finden könnten. Nicht jeder hat Zeit und Lust, abends nach dem Job oder an vielen Samstagen – noch dazu möglicherweise mit Kindern – durch diverse Möbelgeschäfte und Einrichtungshäuser zu ziehen, um dann frustriert festzustellen, dass keins der dort gezeigten Produkte wirklich gefällt. Manche wissen auch gar nicht, dass man beispielsweise den himmelblauen Sessel, dessen Design zwar beide anspricht, dessen Farbe jedoch einem Ehepartner zu knallig ist, auch anders anziehen könnte. Es macht nur wenigen Menschen Spaß, sich sehr zeitaufwändig in so viele Produktdetails hineinzuarbeiten, die aber für das Gesamtergebnis – und die dauerhafte Freude am neuen Wohnen – absolut wichtig sind.“

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Jeder hat das schon erlebt: Kataloge durchblättern und irgendwann von der Bilderflut erschlagen sein. Auf eine Farbe – aktuell wären dies Petrol und Senfgelb – fliegen und dann plötzlich feststellen, dass dieser Ton gerade überall auftaucht und wahrscheinlich in ein paar Jahren komplett aus der Mode gefallen sein wird. Als suchende Kunden ärgern wir uns auch über die hochgezogenen Augenbrauen der Verkäufer, die an unserer Kleidung zu erkennen glauben, wie viel Geld zu investieren wir bereit sind. Und es nervt uns mehr als alles andere, plötzlich zu erkennen, dass uns jemand nur deshalb ein Sofa empfiehlt, weil dieses bald „rausverkauft“ werden muss, um der neuesten Kollektion Platz zu bieten.

Lore Wellemeyer kennt solche Geschichten. Schon mehrmals hat sie von ihren Kunden gehört, dass sie sich in ein Sitzmöbel verliebt hatten und dieses umgehend bestellten. Nach der Anlieferung mussten sie dann feststellen, dass entweder das Sofa zu groß oder der Raum zu klein war. „Wenn Kunden mich treffen wollen und ich sie dann in ihrer eigenen Wohnumgebung besuche, habe ich immer ein Messgerät dabei“, erklärt Lore Wellemeyer, „ohne Flächen- und Höhenmaße geht bei der Einrichtung nichts“. Sie schaut sich in den Räumen um, spricht intensiv mit den Bewohnern und denkt nach. Was gefällt nicht mehr? Sind neue Ideen bereits vorhanden? Auch Materialkunde und -pflege sind ihr wichtig. „Ich habe den Vorteil, dass ich nichts Bestimmtes verkaufen muss“, erklärt uns die sympathische Inneneinrichterin lachend, „weil ich kein Vorratslager betreibe. Ich bestelle nur das, wofür sich die Kunden wirklich entschieden haben.“ Dann verrät sie uns noch, dass vieles von dem, was wir hier in ihren Räumen sehen, auch gelegentlich den Besitzer wechseln darf.

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Lore Wellemeyer holt ein paar Holzschalen aus dem Nachbarzimmer, die haptisch und optisch ganz besonders anmutig sind. Sie zeigt uns kostbare handgeschliffene Überfang-gläser. Und eine Tischleuchte, deren Fuß ursprünglich ein tibetisches Milchgefäß war – umgearbeitet zu einem ganz persönlichen Einzelstück. Ein Funke springt über, jetzt sind wir selbst im Einrichtungsmodus. Uns gefällt das schräge Wandregal, das hier vollkommen uneitel überwiegend mit abgegriffenen Taschenbüchern bestückt wurde, und bestaunen eine Leuchte, die, obwohl großzügig gebaut, luftig und federleicht über der Couchecke schwebt. Einerseits hat diese Wohnung das Format, in einer Designzeitschrift vorgestellt zu werden. Andererseits ist sie so persönlich und individuell, dass wir uns selbst schnell zu Hause fühlen. Kinder und Haustiere würden auch passen, denn diese Räume sind zum Leben da. Hier ein individuelles Kunstobjekt an der Wand, dort ein nach eigenen Wünschen entworfener Teppich. Dies ist weder Showroom noch Kulisse, sondern ein mit viel Liebe gebautes Nest.

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Dank ihrer inzwischen langjährigen Erfahrung kennt Lore Wellemeyer nicht nur Hersteller, Einrichtungshäuser, Antiquitätenhändler, Galeristen und Künstler, sondern auch die mit einem neuen Ambiente verbundenen handwerklichen Aufgaben und Zusammenhänge. Sie entwirft Lichtkonzepte, kümmert sich um eine bessere Raumakustik und macht Vorschläge gegen den Kabelsalat. Sie arbeitet mit Schreinern, die Arbeitsplatten so fertigen, dass sie preisverdächtig sind. Sie weiß, wo es welche Stoffe gibt. Eine glänzende Oberfläche für die Wand? Einen lässigen Leinenvorhang? Oder einen fußschmeichelnden Teppich mit hohem Seideanteil? Alles ist schon auf der Welt vorhanden – und Lore Wellemeyer spürt es auf.

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„Gerne betreue ich auch Kunden, die gerade eine neue Wohnung erworben haben und noch mehr aus ihr herausholen wollen“, erzählt die Beraterin bei unserem zweiten Glas Tee. „Gemeinsam überprüfen wir dann, welche Spielräume die baulichen Vorgaben bieten – und wie sie sich noch besser nutzen lassen. Nehmen Sie das Badezimmer: Die Bauträger entscheiden sich in der Regel für aktuelle Badewannenmodelle, die sie en gros zu günstigen Preisen anschaffen und in allen Wohnungen installieren. Sie wählen Fliesen, die im Trend liegen, um möglichst viele Käufer anzusprechen. Das ist ja alles nachvollziehbar. Mir ist es nur wichtig zu sagen, dass jeder, der noch rechtzeitig eigene Ideen einwirft und beispiels-weise seinen Traum einer freistehenden Wanne verwirklichen will, in der Rohbauphase noch die große Chance hat, das Wohneigentum nach allen Regeln der Kunst zu individualisieren.“

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Wieder in den eigenen vier Wänden angekommen, stellen sich andere, aber doch verwandte Fragen: Wie lange wollen wir noch auf diesen unbequemen Stühlen sitzen? Warum brummt der Kühlschrank so laut? Und wann zieht endlich, endlich, endlich ein neues, ganz besonderes Sofa ein?

www.lorewellemeyer.de

 

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