Pho Bo Hanoi trifft Pho Ga Saigon. Willkommen im „Quan Ngon“

by · Dezember 9, 2015

 

Quan-Ngon1Im Leben der Vietnamesen gibt es nur wenige Tage, an denen sie keine Suppe essen. Die Pho, eine Reisnudelsuppe, ist das im ganzen Land beliebte Nationalgericht. Ihren verführerischen Geschmack verdankt sie einer aufwendigen Zubereitung über 24 Stunden lang, der individuellen Würzmischung und ganz vielen frischen Zutaten.

Wir freuen uns, im Albrechthof, also quasi gleich am Rotkreuzplatz, ein vietnamesisches Restaurant entdeckt zu haben, das gleich mit sechs verschiedenen Supersuppen auf sich aufmerksam macht. Die dort hausgemachte Pho Bo Hanoi beispielsweise verführt mit zartem Rindfleisch und frischen Sojakeimen, mit vietnamesischem Basilikum und Stachelkoriander, Ingwer und Sternanis. Und das ist nur der erste von einigen Gründen, dem vor etwa einem Jahr eröffneten Restaurant im Pavillon hinter der Nymphenburger Straße 152a einen Besuch abzustatten!

Quan-NgonFamilie Nguyen

Das „Quan Ngon“ ist, wenn wir den für deutsche Zungen nicht leicht auszusprechenden Namen wörtlich nehmen, ein „Restaurant, in dem es gut schmeckt“, erklärt uns Nguyen Thi Nga, die das kleine Familienunternehmen gemeinsam mit ihrem Mann betreibt. Sie stammt aus dem Norden Vietnams und ihr Mann, der Küchenchef des Hauses, hat in der Mitte des Landes seine Wurzeln. Vor inzwischen über 25 Jahren waren Ihre Familien – damals im Rahmen eines kommunistischen Austauschprogramms – in die DDR eingeladen worden, die nur kurz darauf in sich zusammenfiel und plötzlich keinerlei Perspektiven mehr für die asiatischen Gäste anbieten konnte. Die Gestrandeten brachen in den Westen Deutschlands auf, lernten die Sprache immer besser kennen und suchten nach Möglichkeiten, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Da Kochen schon immer eine große Leidenschaft war, machten sie es zu ihrem Beruf. Es war ein weiter Weg bis zum eigenen Restaurant in München – aber der liegt nun hinter ihnen. Seit fast einem Jahr kommt es darauf an, einen festen Kundenstamm im Herzen von Neuhausen und Nymphenburg zu erobern – und diesen mit den vielen landestypischen Gerichten ihres Ursprungslandes zu begeistern. Uns wurde übrigens schon per Mundpropaganda zugetragen, dass wir das versteckte Restaurant Quan Ngon unbedingt kennenlernen müssten.

Wir begannen, wie sollte es anders sein, mit einer Pho, der wir spontan fünf Sterne gaben. Sie schmeckte köstlich und die verschiedenen Zutaten gaben jedem Löffel einen eigenen Reiz. Die vielen Gemüsesorten hatten Biss, alle Kräuter waren frisch. Auch optisch gefiel uns das Schüsselchen sehr gut – wir empfanden es fast schon als schade, diesen Hingucker aufzuessen. Aber eben nur fast. Bombastisch war auch das „Goi Cuon Tom Thit Ga“, wobei es sich um Sommerrollen im hausgemachten Glasnudelteig handelt. Durch die dünne und transparente Hülle kann man gleich sehen, was innen geboten wird: Garnelen und Hühnerfleisch, frischer Koriander, frische Minze, Frühlingszwiebeln. So knackig alles, so soll es sein.

Quan-Ngon15

 

Die gegrillte Ente war knusprig und gut. Sie wurde uns in cremiger Curry-Kokosmilchsauce mit knackigem Gemüse und einer hübschen Reiskugel dazu serviert. Brokkoli, Sellerie, Pilze, Paprika, Zucchini und Chinakohl waren perfekt al dente gegart – und entsprechend farblich hübsch anzusehen. Die frischen Kräuter stimmten das leicht scharfe Gericht auf harmonische Weise ab. Vergleichbares können wir über eine Tofu-Variante berichten, die ebenfalls von der Leidenschaft und Hingabe des Herrn Ngyen in der Küche sprach.

Auf der Karte des Quan Ngons finden sich viele Gerichte und viele Zutaten, die schon beim Lesen Appetit auf mehr machen. Da gibt es vietnamesische Maultaschen mit Strohpilzen, Suppen mit Morcheln oder Salat mit Zitronengras, Minze und Limetten. Huhn und Ente werden auch schon mal mit Gemüse in Tamarinsauce serviert, Paprikastreifen in Erdnusssauce oder mit Gurken in Hosinsauce. Vegetarier finden eine reichliche Auswahl vor: vom gebratenen Pak Choi mit Ingwer und Sojasprossen bis hin zu gebratenem Tofu mit Tongupilzen in Sojabohnenpaste. Die vietnamesischen Nudelgerichte werden unter anderem mit Zitronengras oder Betelblättern kombiniert, mit gegrillten Riesengarnelen oder zermahlenem Fischfilet.

Wer die Top-Spezialitäten des Hauses verkosten mag, kann sich diese auf Wunsch auch selbst zusammenrollen: Reispapier, Reisnudeln, Salat, Sojakeime, Gurken, Erdnüsse und Kräuter werden dann zur freien Verfügung an den Tisch gebracht, wo sie zusammen mit fein abgeschmeckten Fleisch- und Tofu-Zutaten zu auf den individuellen Geschmack abgestimmten leckeren Päckchen kombiniert werden. Ab zwei Personen gibt es zudem die vor allem in Nordvietnam sehr beliebten Feuertopf-Gerichte, die unserem Fondue ähneln, Lau heißen und mit Zutaten von Tofu bis Tintenfisch am Tisch gegart werden.

Wir beschlossen unseren ersten – und sicher nicht den letzten! – Besuch im Quan Ngon mit einem außergewöhnlichen Dessert namens Che. Das ist ein süßes, buntes Getränk mit Kugeln aus Klebereis und Bohnenbrei, frischen Kokosraspeln und gerösteten Mandeln. Es wird mit Eiswürfeln oder ohne Eiswürfel in einem Glas als toller Augenschmaus serviert, schmeckt überzeugend lecker und kostet nur eine Kleinigkeit.

Wie gesagt: wir stehen erst am Beginn unserer kulinarischen Genussreise ins Quan Ngon, möchten aber die Empfehlung, die uns vor ein paar Wochen erreichte, heute schon gerne weitergeben. Weil das gar nicht so kleine Restaurant recht versteckt im Albrechthof liegt und die Chance auf Zufallsbesucher doch recht klein ist, trommeln wir laut für dieses sehr persönlich und liebevoll geführte Lokal. Frau Ngyen nimmt sich ihrer Gäste aufmerksam und höflich an, klärt offene Fragen und leitet jeden Wunsch unkompliziert an die Küche weiter. Richten Sie ihr bitte unsere besten Grüße aus.

 

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