Mein Raum, (k)ein Traum!

by · April 2, 2012

Wie viel Raum brauche ich eigentlich in meinem Leben? Wie viel Raum wird mir zugestanden? Bin ich damit zufrieden? Wie kann ich mehr Raum gewinnen oder verlorenen Raum zurückerobern? Ein Gespräch mit Martina Fuchs, Inhaberin der Agentur raum&potenzial in Neuhausen, über ein menschliches Grundbedürfnis – dem wir viel zu selten Beachtung schenken.


LocalLIFE: Frau Fuchs, Sie haben das Buch „Frauen und ihre Räume“ geschrieben. Das zeigt wunderschöne Einrichtungsbeispiele und thematisiert die weibliche Selbstentfaltung. Was ist Ihr Anliegen?

Martina Fuchs: Tricia Guild, die erfolgreiche britische Innende-signerin, hat einmal zu mir gesagt: „Die Menschen denken zu wenig über Räume nach.“ Der Satz klingt unspektakulär. Und trotzdem enthält er einen ganz wichtigen Gedanken: Unser Leben findet immer im Raum statt. Das kann ein natürlicher Raum sein oder ein kultureller. Jeder Mensch hat einen Wohn- oder Lebensraum. Und im übertragenen Sinne streben wir den Freiraum an. Aber was machen wir? Wir vernachlässigen das Thema. Wir unterschreiben Mietverträge und bauen Häuser, ohne uns vorher zu fragen, wie wir in den neuen Gebäuden, Gärten und Gegenden leben wollen. Wir kaufen Möbelstücke, die alle haben, ohne darüber nachzudenken, ob sie uns nicht mehr nehmen als geben. Dabei ist gerade unser buntes Neuhausen mit alter Architektur, vielen ästhetisch ansprechenden Ecken und sogar einem Schloss wahnsinnig inspirierend!

LocalLIFE: Aber wir Großstadtmenschen haben selten großzügige Wohnungen, denn wird sind froh, überhaupt bezahlbare Räume zu bekommen. Wer kann sich Raumträume in München leisten?

Martina Fuchs: Raum ist in der kleinsten Hütte! Wenn ich über Raum spreche, denke ich nicht an Quadratmeter. Sie können ein riesiges Haus besitzen und keinen einzigen Raum mit Seele finden. Vielleicht lebt sogar gerade dort eine Frau, die die Rolle der Aufräumerin hat, aber keinen einzigen Ort für sich selbst. Kinder und Männer neigen dazu, Räume in Beschlag zu nehmen. Was bleibt der Frau? Hat sie eine ruhige Leseecke? Eine Tür, die sie hinter sich zuziehen kann? Platz, um den eigenen Geschmack sprechen zu lassen? Ein Arbeitszimmer?

LocalLIFE: Was kann man tun?

Martina Fuchs: Ich rate jedem, einfach mal seine Bedürfnisse zu befragen. Gibt es in meiner Wohnung oder in meinem Haus Raum für mich? Raum zum Entspannen? Raum für Träumerei? Wenn nicht, werden Sie aktiv und schaffen Sie sich Raum.

LocalLIFE: Sie stellen auch die klassische Raumaufteilung in Frage?!

Martina Fuchs: Ja. Ist es wirklich sinnvoll, einen ganzen Raum zum Schlafraum zu machen? Die meisten Schlafzimmer in Deut-schland sind unterkühlt und reine Zweckräume. Das ist doch Raumverschwendung! Oder denken Sie an Gästezimmer, die meistens viele Tage im Jahr leer stehen. Wäre es da nicht viel sinnvoller, das Zimmer zum eigenen Refugium zu machen – und im Fall von Besuch für ein paar Tage freizugeben?

LocalLIFE: Wie wirkt der Raum auf die Seele?

Martina Fuchs: Das passende Zuhause gibt Sicherheit und Geborgenheit. Wir tanken dort auf. Unser inneres Wohlgefühl ist eng mit dem äußeren verbunden. Beide beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Sie beispielsweise persönlichen oder beruflichen Stress haben, spiegelt sich dies gerne in den Räumen durch Unordnung oder „Chaos“ wider. Indem Sie dort Klarheit und Ordnung schaffen, klären und ordnen Sie gleichzeitig Ihr Seelenleben. Oder nehmen wir wieder das Beispiel der Frau, die von ihrer Familie aus den meisten Räumen vertrieben wird: Sie kann das Blatt wenden und die Grenzen ihres eigenen Reichs wieder ausweiten. So gewinnt sie ihre ursprüngliche Macht zurück.

LocalLIFE: Wie könnte das in einer kleinen Wohnung, in der auch noch die Kinder leben, funktionieren?

Martina Fuchs: Gerade Kinder und Jugendliche machen uns vor, wie man sich abgrenzen kann. Niemand darf ihr Zimmer betreten, ohne anzuklopfen! Sie würden es auch nie und nimmer zulassen, dass Sie sich mit Ihrer Freundin vor den Kids-Computer hocken, um mal schnell eine kleine Internetrecherche zu starten. Obwohl Kinder und Jugendliche selbst alle Räume mit größter Selbstverständlichkeit benutzen und sich nichts dabei denken, leere Teller und dampfende Sporttaschen überall abzustellen, pochen sie darauf, ihre Privatsphäre zu schützen. Machen Sie es genau so! Bestehen Sie darauf, Ihr Reich nach Ihren Regeln zu gestalten. Wenn Sie Ihren Raum wieder-gefunden haben, wird die ganze Familie davon profitieren.

LocalLIFE: Geben Sie noch weitere Tipps?

Martina Fuchs: Ja. Im ersten Teil meines Buchs nehme ich die Rolle eines Coachs ein und stelle meinen Lesern viele Fragen, um sie an die eigenen Bedürfnisse heranzuführen. Anhand von 17 Porträts zeige ich dann, mit welchen Mitteln andere Frauen ihren Raum seelenvoll gestaltet haben. Wer mehr wissen will, kann mich gern anrufen, denn ich biete persönliche Beratung rund um die Raumgestaltung an. Und selbstverständlich dürfen sich auch Männer angesprochen fühlen – selbst wenn ich bisher aus Zeitmangel noch kein Buch aus ihrer Perspektive geschrieben habe.

 

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