Jägerhäusl adé

by · April 5, 2012

Da jahrelanges Engagement der Bürger, des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Vereins zur Erhaltung Gerns zu keinem Ergebnis führte und die harte Realität der Grundstückswerte und Wohnansprüche uns jetzt damit konfrontiert, dass auch dieses Stück Geschichte einem modernen Wohntempel weichen muss, möchten wir dem Jägerhäusl, an der Ecke Klugstraße / Gerner Straße gelegen, ein Denkmal setzen und von seinen 200 Jahren mit den Worten des Historikers Helmuth Stahleder und des Oberkonservators Dr. Uli Walter berichten – bevor es endgültig verschwindet.

„Ein Baubestand auf dem Grundstück ist bereits auf dem Katasterblatt von 1809 zu erkennen. Neben dem ältesten, 1812 angelegten Kataster war das Jägerhaus mit 12 Tagwerk und 64 Dezimalen Grund ausgestattet, also ein kleiner Bauernhof.“

„Im Brandversicherungsgrundbuch wird es als Wohnhaus des Revierjägers … bezeichnet.“

„… nebst Kuh- und Pferdestall, Stadel, Holzhütte, Backhaus, Hofraum und Gemüsegarten“

„Von hier aus wurden unter anderem drei Aufhütten und alle im königlichen Jagdrevier liegenden Remisen betreut.“

„Zur Jägerei gehörten 1812 die Fasanenmeisterei … dazu 1 Revierjäger …, 1 Zwirchmeister, 1 Schwanenwärter, 4 Hofjäger, 2 Jagdgehilfen, 1 Hundskoch,
1 Wagenmeister, 7 Zeugdiener und 1 Thorwärter.“

„Bereits 1846 sind die Öfen schlecht und das Gebäude ist im Winter so feucht, dass darin der Salpeter wächst.“

„1860 hatte der Revierjäger Roth wieder Grund, sich über die Bau-Gebrechen des k. Jägerhauses und der Ökonomie-Gebäude zu beklagen.“

„Ob eine Maßnahme erfolgt ist, verschweigen die Akten. Sie weisen ab jetzt eine große Lücke von 1868 bis 1883 auf.“

„Roths Familie besteht im Ganzen außer dem Genannten und der Frau aus 6 Kindern und einer Magd.“

„Ein Abort fehlt im Haus gänzlich.“

„Am 4. Januar 1884 ersuchte die Hofjagd-Intendanz die Hofbau-Intendanz um Einsicht-Gewährung in die Pläne, nach denen die baulichen Herstellungen im Oberjägerhaus zu Gern im nächsten Frühjahr ausgeführt werden sollten.“

„So darf man davon ausgehen, daß das Haus seine heutige Gestalt im Frühjahr 1884 erhalten hat.“

„1912 bat der nunmehrige Revierjäger … um Erlaubnis, dass seine Frau … Kaffee ausschenken dürfe, mit der Begründung, dass … bei der Nachbarschaft ein Bedürfnis danach bestehe …“

„Dazu waren die entsprechenden Umbauten notwendig … Voraussetzung sei aber unter anderem, dass die beiden Aborte sowie das Pissoir mit Klosetts und Wasserspülung versehen würden.“

„Ab 1. Januar 1915 war dem Revierjäger von Gern das Fasaneriegebäude in Hartmannshofen zum Wohnsitz zugewiesen. Dadurch wurde das Revierjägeranwesen in Gern frei … und konnte vermietet werden.“
„Am 15. März 1915 wird der Wert des Anwesens auf 100 000 bis 150 000 Mark veranschlagt.“

„1946 wurden Kriegsschäden repariert; 1952 erfolgte der Einbau des Schaufensters an der Ostseite für eine Molkerei.“

„Aus denkmalpflegerischer Sicht ist die Erhaltung und Modernisierung des Baudenkmals technisch möglich.“

„Das Jägerhaus mit seiner typischen holzverschalten Fassade und seinen ländlichen Schmuckformen gibt auch dem durchschnittlichen Betrachter seine frühere Funktion ohne weiteres zu erkennen. Der frühere Stall bildet  den letzten Rest der vorindustriellen Besiedelung Gerns und ist aufgrund seiner Seltenheit und seiner Anschaulichkeit für die dörfliche Vergangenheit Gerns von besonderer Bedeutung.“

Seit 2006 steht das Jägerhäusl leer.

Heute gehört das Haus einem Bauträger.

Wir danken Herrn Dr. Gasteiger für sein großes Engagement zum Erhalt des Jägerhäusls und für das Überlassen seiner Unterlagen.

Unter: Verschiedenes

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