Die Maßschneiderin

by · Juli 10, 2012

Susanne Wissuwa antwortet wie aus der Pistole geschossen: Traumberuf? Zu hundert Prozent! Schon als Kind hat sie ihren Barbies Klamotten auf den Leib geschneidert. Ihr Lieblingsspielzeug? Eine Mininähmaschine. Die Berufswahl war damit leicht. Ausbildung zur Damenmaßschneiderin, dann ein paar Semester Modedesign in Düsseldorf. Ein Engagement bei Peek & Cloppenburg, dann der Sprung in die Selbstständigkeit. Seit zehn Jahren betreibt Susanne Wissuwa ihr Atelier im Hinterhof, eine Meister-Eder-Werkstatt, wie sie sagt. Gemeinsam mit ihrem Team fertigt sie neue Kleider nach Wünschen der Kunden und entlang der eigenen Empfehlungen an. Stoffe kauft sie gern in Dubai ein, aber auch der Sari aus dem Bestand der Kundin kann selbstverständlich ins Maßgewand einfließen.

Eigentlich ist alles ganz einfach: Schneider messen und zeichnen, schneiden, heften, stecken, bügeln. Aber es braucht doch etwas mehr: Präzision und Stilempfinden, Menschenliebe und Begeisterung. Susanne Wissuwa hat all das – und auch schon Blumen bekommen von Männern, deren Frau im neuen Kleid so zauberhaft ausgesehen hat. Wie viel Zeit sie in die Arbeit steckt? Wenn’s rundgeht gern mal 70 Stunden die Woche. Und dann sitzt sie nachts allein in der Werkstatt, um die Maßanfertigung für eine schwangere Braut noch einmal zu ändern, etwa weil die Figur überraschenderweise eine neue Richtung eingeschlagen hat oder weil mal eine Wies’n vor der Tür steht. Jeder kann sich leisten, zur Schneiderin zu gehen, davon ist sie überzeugt. Und weil dies eine freundliche Einladung an alle ist, geht ihr die Arbeit nie aus.

Blutenburgstraße 91 Rgb.

Unter: Allgemein

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