Das Weihnachtsfest von ganz weit weg …

by · Dezember 26, 2010

Es ist November, ein warmer Herbsttag am Rotkreuzplatz in Neuhausen; kaum zu glauben, dass bald Weihnachten ist. In Neuhausen, Gern und Nymphenburg leben rund 20.000 Menschen aus anderen Nationen, die kein Weihnachten feiern, wie wir es kennen. Was verbinden sie mit unserem christlichen Fest?


In meiner Kindheit habe ich mich immer gefragt, warum der Weihnachtsmann diese warmen Sachen trägt, wenn es draußen 40 Grad heiß ist. Es wirkte ein wenig verloren für mich, ich konnte mir auch nicht erklären, warum die Leute all die Süßigkeiten mit Zimt und Kardamom liebten, obwohl es draußen so heiß war…
Dann kam ich nach Deutschland, es wurde Weihnachten und ich dachte: Ah, deshalb! Ich begann zu begreifen, warum die Leute die Plätzchen backen, denn hier ist es um Weihnachten draußen kalt und man möchte drinnen bleiben – anders als bei uns, wo wir Hochsommer haben, draußen sein wollen, um am Strand Spaß zu haben.
Joana, Rio de Janeiro – Brazil


In meinem Land leben Muslime und Christen. Obwohl wir nicht Weihnachten feiern, können wir viel mit dem Fest verbinden. In der Schule in Somalia habe ich viel über Weihnachten gelernt, hatte aber noch kein Bild davon. Als ich dann nach Deutschland kam, lernte ich es kennen und ich sah, dass es gut war.
Ich bin noch nicht lange in Deutschland, und dieses Jahr ist das zweite Jahr, in dem ich Weihnachten feiern werde, ich habe also noch nicht viel Erfahrung mit dem Fest – dabei zu sein, ist ganz neu für mich.
Mein erstes Weihnachtsfest war sehr gut, ich sah eine Menge Leute, eine Menge verschiedener Leute, und man besuchte sich gegenseitig. Es war ein schönes Gefühl, dieses Fest zu feiern.
Nurain, Koyama – Somalia


Kokospalmen kann man nur schlecht schmücken, wir mussten also jedes Jahr in die Berge zu den Teeplantagen wandern, weil es dort immer grün wächst. Die geschnittenen Pflanzen haben wir dann nach Colombo heruntergebracht, um sie dort zu schmücken.
Freunde aus der ganzen Gegend kamen zu uns: Buddhisten, Hindus, Moslems, alle kamen, um mit uns zu feiern. Anschließend gab es das Mitternachtsessen – ein festliches Zusammensein von vielen Freunden, Nachbarn und der Familie. Von Jahr zu Jahr haben sich die Gastgeber abgewechselt. Jeder war willkommen, und man hat einfach einen Stuhl mitgebracht und dazugestellt. Es war Open House – das war unsere Tradition.
Sonja, Colombo – Sri Lanka


Wir hatten in Indien viel Kontakt mit der christlichen Kultur. Wir waren Mitglied in einem englischen Segelklub, wo wir oft feierten. So kam es, dass wir das Weihnachtsfest traditionell mitfeierten. Es gab Truthahn, verschiedene Kuchen und Torten. Weihnachten ist für uns Kultur und wir feiern das Fest, weil es zu unserer Gesellschaft gehört.
Viele Religionen in Indien existieren nebeneinander, der Islam, der Hinduismus und das Christentum. Das kommt vor allem durch den früheren Einfluss der britischen Kolonie. Unser eigenes Fest heißt Diwali, wir feiern es im Oktober/November, und auch Diwali ist ein Lichterfest. Dann kommen unsere christlichen Freunde zu uns.

Brarat, Hyderabad – Indien

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